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  • Prisca Hintermann

Farben!

...jeder kennt sie, doch nicht jeder erkennt sie.

Wir können Farben sehen, wir können Farben fühlen und wir können aus ihnen Emotionen machen - zumindest dachte ich, dass man das kann. Ich habe Dinge gesehen, Dinge an denen ich nichts farbiges erkennen konnte. Als ich die Welt durch Nachos Augen kennenlernen durfte habe ich jeden Tag intensiver verstanden was und wie Farben sein können.


So ist ein Farbe nicht einfach nur eine Farbe, denn sie beginnt zu leben, wenn man sie mit anderen Augen sehen lernt. Ich erkenne Gefühle in ihr, die stehen oft in Abhängigkeit mit Farben.


Nacho hat kein einfaches Los gezogen! Sie hat nie gelernt wie es ist richtig Atmen zu können, genug Luft erhalten zu dürfen. Sie wird nie wissen wie es sich anfühlt mit einem "Schwanzwedeln" andere Hunde begrüssen zu dürfen und sie wird niemals verstehen warum andere Artgenossen ihr gegenüber oftmals unfreundlich oder aggressiv reagieren - nur weil die Menschen sie so gezüchtet haben, dass sie in ein Raster passt.


Dass sie früher in gewaltsamen Hundekämpfen mit schlimmen Verletzungen liegen gelassen wurde, die Leute sie feierten und jede menge Geld auf sie wetteten - dann wurden sie zur Jagd als Meutehunde eingesetzt, bis man am Ende dann doch einen lieben Hund haben wollte, der nicht viel tut, aber trotzdem da ist - sich mit dem zufrieden gibt was der Typ am anderen Ende der Leine eben haben wollte.


Der Mensch zupft und züchtet sich seine Dinge so zurecht, dass es immer irgendwie passt - und wenn es nicht passt, dann wird es passend gemacht. So habe ich angefangen in Farben zu denken. Habe mit dem Kauf von Nacho allerdings nichts oder gar nichts über diese Hunderasse gewusst, - war also genau so Blau und Blind wie alle anderen vor mir - ich wusste aber, dass ich bis heute jedem meiner Hunden ein zu Hause geben konnte.


Das es einmal anders herum laufen würde, dass wusste ich bis zu ihrem Einzug nicht.


Viel belesen habe ich mir diese Rasse angeeignet, ich habe gelernt in ihr Dinge zu sehen, die ich nicht erkennen konnte, weil die üblichen Dinge, die zur Kommunikation dienten an diesen Hunden einfach fehlten, so wusste ich nicht wann dieser Hund eine Pause brauchte und ich hatte auch keine Ahnung (wirklich gar keine), warum meine Fellnase jeden Tag 5 Minuten brauchte bis sie sich wieder selber runterholen konnte - ich war komplett überfordert und sah vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr.


Nacho trägt ihren Charakter auf der Zunge (würde ich "ihr Herz" schreiben, wäre das echt untertrieben), sie holt sich mit ganzer "Bulldozzer Manier" was sie braucht und sie rennt auch einfach in dich rein wenn du gerade mal in ihrem Lauf stehst. Es interessiert sie nicht ob es da direkt den Fels runtergeht oder ob am Ende doch noch die Möglichkeit zu bremsen besteht - sie lebt, und sie lebt es im ganzen Dasein. Ich wollte lernen, ich wollte sie verstehen, ich wollte dem kleinen Muskelpaket Hund gerecht werden und lernte sie zu lesen.


Jeden Tag habe ich sie beobachtet, habe zugeschaut wenn sie was getan hat oder auch einfach nichts tat. Habe zugehört und mitgemacht - ich habe mit ihr gelacht, mit ihr geweint und ihre Schmerzen zu den meinen werden lassen - so sind wir gewachsen, immer mehr, immer weiter und lernen noch heute an jedem Tag voneinander. (Ich aber sicher viel mehr von ihr, wie sie von mir.)

Ihre Welt ist farbig, ihre Welt ist kunterbunt - oft erinnert sie mich an die Geschichte von Pippi Langstrumpf, denn sie macht Dinge möglich, alle Dinge - sie geht ihren Weg mit Stolz, aber mit ganz viel Sensibilität, sie fühlt, sie lernt, sie schaut, sie geniesst und sie leidet - sie kann sich gehen lassen, wenn der andere mit ihr zusammen Eins sein kann und sie schenkt dir ihre ganze Liebe - unerbittlich - ich trage die Verantwortung ihr gerecht zu werden, sie auf ihrem Weg zu begleiten - denn die Farben sind wundervoll, ich musste nur lernen sie zu sehen.

Das Vertrauen eines Vierbeiners zu gewinnen ist nicht all zu schwer, sie haben in dieser Welt nur uns - wir haben ihnen viel Raum weggenommen, wir haben ihnen antrainiert so zu werden wie wir sie haben wollen, wir haben sie bis zum Tod gezüchtet und wollen sie noch immer unterdrücken.

Lesen bildet!

Oder wer Lesen kann ist klar im Vorteil. So zumindest steht es geschrieben. Ich aber bin der Meinung, dass ich mit dem Lesen alleine noch keine Lebewesen erzogen habe, oder bin ihnen gar gerecht geworden. Ich denke, dass es eine ganz grosse Portion Willen und ganz viel Zeit braucht um dem Lebewesen (jedem Lebewesen) das man sich nach Hause holt gerecht zu werden.


Nacho ist mein Partner geworden, sie hat mir gelernt im Hier und Jetzt zu leben, sie hat den Farben ganz viel Emotionen eingehaucht und sie zeigt mir jeden Tag aufs Neue dass es sich lohnt mit offenen Augen durchs Leben zu gehen.


So weiss ich heute, dass eine Farbe nicht einfach eine Farbe ist.


Die Weise und die, die es gerne werden möchte.

The Wuff's

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